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16. August 2011  | arc

Highlands auf dem Spargelhof Musik: Erstes Inside-Outside Pubfestival lockt mehr als 200 Besucher nach Büttelborn – Neuauflage schon in Planung

BÜTTELBORN. 

Wie ein Wirbelwind fegte Sänger Stefan Johann von den „Drunken Lullabies“ über die Bühne und erklomm sogar ein Fass. Er und seine Band zählten zu den Akteuren beim ersten Inside-Outside Festival für Freunde irischer und schottischer Musik in Büttelborn.


Foto: Marc Schueler

Keine Schnapsidee war das erste Inside-Outside Pubfestival im Büttelborner Asparagus. „Robert Hoffmann von ‚Molly Alone‘ und ich haben im Frühjahr bei einem Whisky zusammengesessen und uns überlegt, dass man eigentlich mal einen irisch-schottischen Abend machen könnte. Wir haben jeden zweiten Freitag Musiker hier, aber das war mal eine Idee, die es lohnte, sie weiter zu verfolgen“, erzählte Bernd Melchior, der Wirt des Asparagus, mit einem Leuchten in den Augen. Mehr als 200 Besucher kamen trotz oder gerade wegen des passenden schottischen Wetters zum Spargelhof und lauschten bis spät in die Nacht hinein den Klängen von „The Dicey Reilleys“, „Molly Alone“ und „Drunken Lullabies“.
Da man mit dem Wetter in diesem Jahr nicht unbedingt rechnen kann, hatten Melchior und seine Helfer seit Freitagmittag große Zelte und Pavillons auf dem Hof aufgebaut, damit alle Besucher auch einen Platz im Trockenen finden konnten. Ebenso wurde die Bühne aus einem geliehenen Ernteanhänger gebaut, auf dass die sensible Elektronik gegen das Wetter geschützt war.
Als sehr vielfältig erwies sich das Repertoire der drei auftretenden Bands, das von irischen und schottischen Traditionals über englische Kinderlieder bis hin zu Punk reichte und die Besucher immer wieder zum Mitmachen animierte. Für Begeisterung sorgte gleich der ewig über die Bühne wirbelnde Sänger der Koblenzer „Drunken Lullabies“, Stefan Johann, als er auf das einige Meter vor der Bühne stehende Fass kletterte und im Kreise der Besucher auftrat. Dies lockte zahlreiche Fans unter dem schützenden Zeltdach hervor, und so füllte sich der Platz vor der Bühne zusehends.
Auch wenn man in Büttelborn keine grünen Hügel vorfindet, fühlten sich die Besucher doch in die Highlands oder auf die Grüne Insel versetzt. Neben schottischen und irischen Klängen der Musikgruppen gab es Fish & Chips, Lammsteaks, Lammburger und Burger aus Black-Angus-Rindfleisch, Guinness und Kilkenny vom Fass sowie mehr als 100 Sorten Whisky.
„Das Wetter ist auch noch typisch schottisch, nur mit der britischen Sperrstunde um 23 Uhr werden wir es nicht so genau halten“, scherzte Melchior weiter. „Viele Besucher kennen uns schon und wissen, dass ich ein großer Fan von Schottland und Irland bin. Daher macht ihnen das Wetter nicht viel aus, sondern sie genießen das schottisch-irische Fest hier.“
Um die Umbaupausen zwischen den Auftritten kurzweilig zu gestalten, wurde ein Pub-Quiz veranstaltet, bei dem die Besucher Preise bis hin zu Karten für das nächste Jahr gewinnen konnten. „Wir haben allein im Vorverkauf 150 Karten verkauft, das ist eine tolle Bestätigung für uns. Daher haben wir uns schon jetzt entschlossen das Pub-Festival zu wiederholen“, sagte Melchior.
Noch etwas länger gedulden müssen sich die Besucher, bis sie einen ganz besonderen Whisky probieren dürfen. Robert Hoffmann und Bernd Melchior besuchen regelmäßig Destillerien in Irland und Schottland und haben ein eigenes Fass gekauft. „Wie unser Whisky heißen wird, wissen wir noch nicht, aber er muss noch reifen, und so haben wir für diese Entscheidung noch acht Jahre Zeit. Dann wird er abgefüllt und wir holen ihn hierher“, freut sich Bernd Melchior schon jetzt auf diesen Tag.



Gautschfeier:                                                                                                             Innung Grafischer Berufe hebt in Büttelborn 30 Gesellen in ihren Stand auf

BÜTTELBORN. 

Gleich im Doppelpack gingen am Freitagabend diese beiden Gesellinnen bei der Gautschfeier auf dem Gelände der Büttelborner Gaststätte „Asparagus“ in die Bütt.


Foto: Dieter Gölzenleuchter


Mit der Wassertaufe, dem sogenannten Gautschen, – einem Brauch der Buchbinder, Schriftsetzer und Drucker aus dem 16. Jahrhundert – werden die neuen Gesellinnen und Gesellen traditionell in den Stand der Grafischen Berufe aufgenommen. Vorab müssen alle Täuflinge aber feierlich allem Unfug, Hudelei, falschem Brauchtum und dem Erzeugen von Makulatur abschwören, ehe sie zu den Jüngern Gutenbergs werden.
So geschah es am Freitagabend auf dem Anwesen der Büttelborner Gaststätte Asparagus, wohin die Innung Grafischer Handwerke elf Buchbinder, 17 Mediengestalter, einen Schriftsetzer und einen Drucker zur Gautschfeier mit Überreichung des einen hohen Stellenwert besitzenden Gautschbriefs eingeladen hatte.

Der Spruch des Gautschmeisters Reinhard Zimmer: „Packer packt an! In die Bütt mit dem ersten sodann! Lasst seinen Corpus Posteriorum fallen in diesen nassen Schwall, bis triefen beide Ballen. Der durstigen Seele gebt einen Sturzbach obendrauf, das ist der Jünger Gutenbergs allerbeste Tauf“, war das Signal für Schwammhalter Harald Menzel und die Packer, das nasse Spektakel zur Freude des Publikums zu beginnen und die neuen Gesellen mit sanfter Gewalt ins Wasser zu befördern.

Darunter war auch der 62 Jahre alte Peter Paul Bartels aus Wiesbaden, der sein in der Jugend versäumtes Gautschen nachholte. Innungsmeister Fritz Thoma hatte die Gäste begrüßt und den Brauch erläutert. Weitere Grußworte sprachen Abteilungsleiterin Kerstin Friedrich von der berufsbegleitenden Peter-Behrens-Schule in Darmstadt und Büttelborns Bürgermeister Horst Gölzenleuchter, der angesichts der historischen Kleidung der Protagonisten an die 800-Jahr-Feier der drei Büttelborner Ortsteile erinnerte.
Innungsbeste wurden Priscilla Voss (Buchbinderin) aus Ingelheim, die ihre Ausbildung bei Alpha Print Medien in Darmstadt absolvierte, und Stefanie Hartung (Mediengestalterin) aus Wiesbaden (Deutsche Amphibolin-Weke, Personalabteilung Ober-Ramstadt).